Fotos: Jörg Hejkal, Joachim Knossalla

Die Kunsthalle Gießen präsentiert mit Gunilla Jähnichen eine figurative Künstlerin der Malerei, die mit ihren Arbeiten seit den 90er Jahren erfolgreich ist. Gunilla Jähnichen wurde 1972 in Stade geboren, sie absolvierte ein Studium der freien Kunst an der FH Hannover, in Reykjavik (Island), sowie an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg. Heute lebt und arbeitet sie in Köln und Berlin.

 

Gunilla Jähnichens figurative Kunst zählt ohne Zweifel zu den faszinierenden narrativen Konzeptionen unserer Zeit. Ihre Figuren und Szenerien, die sich in ihrer Reduktion und Typisierung durch Feinfühligkeit und Ausdrucksstärke auszeichnen ziehen den Betrachter in den Bann. Gunilla Jähnichens Bilderfindungen nutzen surrealistische Strategien der Inszenierung seltsamer oder unerklärlicher Begegnungen ebenso, wie das Spiel mit der poetischen Mehrdeutigkeit und dem Geheimnischarakter von Symbolen - aber auch die Bildrhetorik verinnerlichter Malerei aus Mittelalter, Frührenaissance oder der „Pittura Metafisica“ sowie die Welten von Comic, Manga, Kinderbuch und Fantasy finden Eingang in ihre Bildwelten.

 

Mit dieser malerischen Konzeption steht sie im Kontext einer intensiven und weitgreifenden Hinwendung zum Erzählerischen, die die Malerei im Wandel von 20. zum 21. Jhrdt. charakterisierte. „Neue Leipziger Schule“, sowie die Diskurse „Romantik“ und „Symbolismus“ sind Stichworte, die zu Beginn des 21. Jahrhunderts dabei wichtig waren. Im Laufe der Zeit hat Gunilla Jähnichen in ihrer Malerei ein Repertoire malerischer, figurativer „Typen“ entwickelt, welche sie über die Jahre hinweg immer wieder weiterentwickelt und verfeinert hat. Diese eigene Ikonographie der Vielfalt, Feinfühligkeit und Ausdruckskraft ihrer Figuren entfaltet Jähnichen gerade aus der Reduktion und Typisierung heraus, das Ergebnis intensiver Wahrnehmung und Beobachtung der Gesichtsausdrücke in der realen Welt und der Malereigeschichte. Gunilla Jähnichens Figuren nehmen den Betrachter direkt und auf eine suggestive Weise ein, sie sind niedlich, anrührend, ernst und geheimnisvoll, witzig oder „fies“ und durchtrieben zugleich. Hinter ihrer Unschuldigkeit lauern Abgründe, ihre inneren Vorgänge sind schwer berechenbar und die Atmosphäre einer unschuldig-harmlosen Kinderbuch- oder Filmwelt wird von Jähnichen durch subtile Irritationsmomente zu einem Spiel mit psychologischer Spannung verwandelt. Das Kindchenschema, so hat die Malerin es einmal ausgedrückt, fungiert dabei fast als eine Art vorgehaltener Schutz, als Distanznahme, ein Sich-Verbergen hinter einer naiven Maske, welches dabei hilft, sich schwierigen Inhalten zu nähern.

 

Durch den Spielraum ihrer Erfindung und ihre Strategie der Anreicherung und Überlagerung unterschiedlicher Quellen aktiviert sie den bildkundigen Betrachter so, dass er nicht nur auf emotionaler Ebene von der Atmosphäre der Bilder eingenommen wird, sondern immer wieder auf Vorbilder und motivische Hinweise aus der Malereigeschichte stößt, somit in einen Rezeptionsvorgang hineingezogen wird, der im Wiedererkennen auch auf die malerische Methode der Künstlerin aufmerksam macht.

 

Die Facetten ihrer Malerei sind mit den Jahren immer komplexer und dichter geworden, die manchmal fast archaische Strenge ihrer Figurinen zeichnet sie ebenso aus, wie der lapidare Humor, ihre produktive Rezeption und ihre aufmerksame Orientierung in den Arealen der Malereigeschichte. Die eigene Malerei mündet somit in den großen Malstrom, nimmt die Tradition unter postmodernen Vorzeichen auf und transformiert sie zu neuen Bildfindungen, die heutige Gefühlsmomente verkörpern und auf der Höhe ihrer Zeit sind.

 

Die Ausstellung in der Kunsthalle Gießen ist quasi eine Retrospektive mit frühen Werken bis hin zu ganz neuen Bildern aus dem Atelier der Künstlerin, 26 Exponate aus zum Teil prominenten Sammlungen wie der Julia Stoschek Collection, Düsseldorf. Zur Ausstellung erscheint ein bebilderter Prospekt gestaltet von Carmen Strzelecki/Köln mit einem Text von Ute Riese. Für die Schauwand der Kunsthalle Gießen zum Berliner Platz hat Gunilla Jähnichen eigens für die Ausstellung eine Wandzeichnung erstellt.

Gunilla Jähnichen

Don't touch my pet

05.09. – 31.10.2010

Kunsthalle Gießen I Berliner Platz 1 I 35390 Gießen

Telefon: 0641/3061040 I kunsthalle@giessen.de

Dienstag bis Sonntag 10.00–17.00 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Kunsthalle Gießen l Berliner Platz 1 l D-35390 Gießen/Germany

Telephone: +49 641 3061040 l kunsthalle@giessen.de

Tuesday to Sunday 10.00 – 17.00. Free entry.

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