Abb. | Fig.: Tarek Assam vor dem Gemälde Ballerina von Bernd Erich Gall
Tarek Assam in front of the painting Ballerina by Bernd Erich Gall

WHAT’S ON YOUR WALL?

#3 Tarek Assam

 

Eine Kooperation mit der Gießener Allgemeinen Zeitung

A cooperation with the Gießener Allgemeinen Zeitung

Tarek Assam – was bedeutet Kunst für Sie?

 

Kunst ist Bewegung.

Mit allen Bildern, die ich habe, verbinde ich Geschichten. Die Bilder sind mit mir in mein Leben gewachsen. Die meisten habe ich in den Städten oder in der Region erworben, in denen ich jeweils am Theater gearbeitet habe, bei Vernissagen, den Künstler*innen direkt oder in Auktionen.

Bilder sind Entspannung zu Hause und Inspiration für die kreative Arbeit, oft Ausgangspunkt für meine Choreografien.

Je mehr ich mit den Bildern gewachsen bin und zeitgleich die Zahl der Bilder gewachsen ist, umso mehr habe ich mich von der Petersburger Hängung verabschiedet.

Mittlerweile habe ich an zwei Wänden jeweils ein Bild hängen und sonst Platz darum herum.

Ab und zu wechsle ich die Bilder.

 

Was hängt an Ihrer Wand?

 

Das Bild hinter mir ist von Bernd Erich Gall (*1956, Birkenfeld), einem Konzeptkünstler, der in den 1980er-Jahren zu den „Jungen Wilden“ gehörte.

Ich habe das großformatige Bild Ballerina in einer Ausstellung gekauft. Es war mein erstes selbst gekauftes Kunstwerk und hat meine Monatsgage mehr als verschlungen. Diese Arbeit begleitet mich nun seit ca. dreißig Jahren.

Ein anderes Bild, das mich viele Jahre wegen seiner großen Einsamkeit beeindruckt hat, ist das Bild Odysseus vor Troja von Walter Gillich (1920–2000).

Ein Weiteres stammt von Ewald Ungethüm (1886–o.D.), einem Maler, der zur Zeit des Nationalsozialismus verfolgt wurde. Es ist ein Selbstbildnis, spiegelt den Kampf des Künstlers und die Angst, von anderen als „Mittelmaß“ gesehen zu werden, wider.

Ein weiteres Bild, an dem ich hänge, ist eine Coca Cola-Werbung aus den 50er-Jahren: Lachende Tänzerinnen im klassischen Ballett-Tütü, die gerade Pause haben und eine Cola trinken. Das Bild steht so sehr für die Veränderung im Tanz des 20. und 21. Jahrhunderts, dass ich immer wieder darüber lächeln muss. Heute würde man die Tänzerinnen vielleicht mit einer 3D-Brille oder einem Mobiltelefon abbilden.

Historische Tanzkunst und zeitgenössisches Lebensgefühl. Eine wünschenswerte Vereinbarkeit der Veränderung in unserer nach Toleranz und Anerkennung strebenden Gesellschaft.

 

Tarek Assam ist Ballettdirektor, Chefchoreograf und künstlerischer Leiter von TANZ NORDHARZ am Nordharzer Städtebundtheater. Zuvor war er in gleicher Funktion als Ballettdirektor der Tanzcompagnie Giessen am Stadttheater Gießen tätig.

www.tanzcompagnie.de

 

 

 

Tarek Assam – what does art mean to you?

 

Art is movement.

I associate stories with all the works that I have. They have grown with me in my life. I acquired most of them in the cities or regions where I worked in theatre, at openings, or directly from the artists or at auctions.

At home, paintings are relaxation and inspiration for creative work, they are often the point of departure for my choreographies.

The more I have grown with the works and the more the number of works has grown, the more I have moved away from the Petersburg hanging. These days I have one painting on each of the two walls and otherwise plenty of space around. I occasionally switch out the paintings.

 

What’s hanging on your wall?

 

The artwork behind me is by Bernd Erich Gall (*1956, Birkenfeld), a conceptual artist, who was one of the ‘Junge Wilden’ in the 1980s.

I bought the large-format painting Ballerina at an exhibition. It was the first work of art I bought myself, and it more than swallowed up my monthly salary. This work has been with me for about thirty years now.

Another painting that has impressed me for many years because of its immense loneliness is the painting Odysseus vor Troja by Walter Gillich (1920-2000).

Another is by Ewald Ungethüm (1886–o.D.), a painter who was persecuted during the National Socialist era. It is a self-portrait, reflecting the artist's struggle and fear of being seen as ‘mediocre’ by others.

Another image that I am attached to is a Coca Cola advertisement from the 1950s: laughing dancers in classical ballet costumes, taking a break and drinking a Coke. The image is so representative of the changes in dance during the 20th and 21st centuries that I can't stop smiling at it. Today, the dancers would probably be depicted with 3D glasses or a mobile phone.

Historical dance art and contemporary attitude to life. A desirable reconciliation of change in our society striving for tolerance and recognition.

 

Tarek Assam is a ballet director, the chief choreographer and artistic director of TANZ NORDHARZ at the Nordharzer Städtebundtheater. He previously worked the same position as ballet director of the Tanzcompagnie Giessen at the Stadttheater Giessen.

www.tanzcompagnie.de

 

 

 

 

 

Abb. | Fig.: Bernd Erich Gall, Ballerina

Abb. | Fig.: Ewald Ungethüm, Selbstporträt | Self portrait

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