Links: Pierre Molinier, La poupée, 1956-57. Copyright the artist, Courtesy of Galerie Christophe Gaillard, Paris. Rechts: Angélique Aubrit & Ludovic Beillard, Une solitude vraiment terrible (Clod), 2025. Courtesy of the artists und Wouters Gallery, Brüssel.

Pierre Molinier
Angélique Aubrit & Ludovic Beillard
Sui Generis

Eröffnung: 24.04.2026, 19 Uhr
Laufzeit: 24.04. – 12.07.2026

Kuratiert von Nadia Ismail, Christophe Gaillard und Camille Gouget

Sui generis – durch sich selbst eine Klasse bilden

Anlässlich des 50. Todestags von Pierre Molinier widmet die Kunsthalle Giessen dem französischen Künstler eine Ausstellung, die seine provokant-erotischen Fotografien und Fotomontagen sowie ihre intensive Auseinandersetzung mit Identität, Selbstinszenierung und der Erschaffung (s)eines Ideal-Ichs neu kontextualisiert. Mit Fotografien, Collagen, Archivmaterial, persönlichen Objekten und Möbeln aus seinem Wohnatelier bietet die Ausstellung einen umfassenden Einblick in Moliniers Leben und Werk.

In einen zeitgenössischen Dialog mit Moliniers Werk treten Angélique Aubrit und Ludovic Beillard, die seit 2021 als Künstlerduo zusammenarbeiten. Ihre Praxis verbindet Skulptur, Installation, Video, Performance und Zeichnung zu immersiven Environments, die von grotesken Figuren bevölkert sind. In diesen burlesken, oft absurden Szenarien verschränken sich Theater, Skulptur und Film zu dichten Erzählräumen. Selbstgenähte Kostüme, hölzerne Skulpturen und recycelte Möbel bilden die materielle Grundlage ihrer Arbeiten. Aubrit und Beillard entwickeln hybride Charaktere, die von Commedia dell’arte, groteskem Kino und philosophischen Denkfiguren inspiriert sind. Diese Figuren spiegeln gesellschaftliche Randlagen, psychische Zustände und kollektive Verunsicherungen.

Aubrit und Beillards oft unheimlich anmutende holzköpfige Figuren resonieren mit Moliniers obsessiver Bildwelt und dessen Idee, den Körper als formbares, transformierbares Material zu begreifen. Beide Positionen verbindet der Impuls, jenseits stabiler Identitäten neue, hybride Wesen zu entwerfen, etwa als Versuch, eine andere Spezies, ein anderes Selbst zu denken. Seit 2024 konzentrieren sich Aubrit und Beillard auf das Filmprojekt une solitude vraiment terrible in dem sie den Zusammenbruch des kapitalistischen Systems imaginieren. In Sui Generis präsentieren sie ein neues Kapitel des Films im Echo auf Leben und Werk von Pierre Molinier.

Pierre Molinier (1900, Agen –1976, Bordeaux, Frankreich) war ein französischer Maler, Fotograf und Performer, der vor allem durch sein radikal transgressives Werk im Umfeld des Surrealismus bekannt wurde. Ausgebildet als Dekorations- und Anstreichermeister, war Molinier zunächst als Maler figurativer Landschaften und Porträts in Bordeaux tätig, bevor er sich ab den 1940er-Jahren zunehmend von traditionellen Bildsprachen löste. Nach dem Zweiten Weltkrieg wandte er sich esoterischen, später explizit erotischen und performativen Praktiken zu. Sein Werk kreist um Themen wie Androgynie, Fetischismus, Selbstinszenierung, Begehren, Tod und die Auflösung stabiler Identitäten. Ab den 1950er-Jahren entwickelte Molinier eine eigenständige Bildsprache aus Malerei, Fotografie und Fotomontage, in der er häufig selbst als Modell auftrat und Geschlechterrollen bewusst unterlief. 1955 wurde André Breton auf ihn aufmerksam und integrierte Molinier in den Kreis des Surrealismus. Trotz – oder gerade wegen – zahlreicher Skandale blieb sein Werk lange wenig beachtet. Er lebte und arbeitete bis zu seinem Suizid 1976 in Bordeaux. Der Künstler wird vertreten von der Galerie Christoph Gaillard, Paris.

Angélique Aubrit (*1988, Angoulême) lebt und arbeitet in Brüssel. Ludovic Beillard (*1982, Bordeaux) lebt und arbeitet in Bordeaux. Beide studierten zunächst am École des Beaux Arts in Bordeaux gefolgt vom École des Recherche Graphique in Brüssel. Seit 2021 arbeiten sie gemeinsam als Künstlerduo. Ihre Arbeiten wurden in zahlreichen Einzelausstellungen gezeigt, darunter in der Galerie Valerie Cetraro, Paris (2025), im Kunstverein Bielefeld (2023), in La Centrale, Brüssel (2023), im Centre d’art La Tôlerie, Clermont-Ferrand (2021), im CAC – Centre d’art La Synagogue, Delme (2021), in Établissement d’en face, Brüssel (2021), sowie bei Komplot, Brüssel (2019). Darüber hinaus waren sie an zahlreichen internationalen Gruppenausstellungen beteiligt, u. a. im Casino du Luxembourg (2025), Steirischer Herbst (2025), Haus Mödrath, Kerpen (2024), bei Clages Gallery, Köln (2023), im K21 Düsseldorf (2023), im Centre Pompidou-Metz (2022), im CRAC – Le 19, Montbéliard (2022), im CAPC Bordeaux (2021) sowie bei FUTURA, Prag (2020). 2022 erhielt das Künstlerduo den Prix Médiatine in Brüssel. Zu ihren jüngsten Residenzen zählen Triangle – Astérides, Marseille (2023), das Centre d’art Les Capucins, Embrun (2022/23) sowie das Centre Pompidou-Metz (2022). Seit 2023 sind ihre Arbeiten Teil der Sammlung des Centre National des Arts Plastiques (CNAP), Paris. Sie werden von der Galerie Valeria Cetraro, Paris, und Wouters, Brüssel, vertreten.

Wir laden Sie herzlich zur Eröffnung ein

Freitag, 24.04.2026, 19 Uhr
 
Begrüßung
Astrid Eibelshäuser
Stadträtin Dezernat Stadt Gießen
 
Einführung
Dr. Nadia Ismail
KUNSTHALLE GIESSEN
Leiterin + Kuratorin der Ausstellung

Christophe Gaillard
Galerie Christophe Gaillard
Galerist + Kurator der Ausstellung

Camille Gouget
Galerie Christoph Gaillard
Künstlerbetreuung + Kuratorin der Ausstellung
Artist liaison + Curator of the exhibition
 
Live Performance
Angélique Aubrit & Ludovic Beillard

Begleitprogramm

Kuratorinnenführung von Dr. Nadia Ismail
So. 31.05.2026, 15 Uhr
 
Art Buzz – Kurzführungen & Drinks für junge Kulturfans
Do. 28.05.2026. 18 – 20 Uhr
 
Kunst und Kaffee
Mi. 03.06.2026, 14 Uhr
Anmeldung bis 01.06.2026
kunsthalle@giessen.de, +49 641 306 1041
Teilnahmegebühr 2,50 €
 
Kunstvermittlung im individuellen
Gespräch

jeden Sa. 14–16 Uhr
 
Sonntagsführung
So. 15 Uhr
26.04. + 14.06. + 05.07.2026